
Angekommen am Meer… Da wo wir die letztjährige Tour entlang der Rhone beendet hatten (in Genf) sind wir diesmal zum zweiten Teil gestartet. In 13 Etappen haben wir unser Ziel, die Rhonemündung beim Plage Napoléon erreicht… der ausführliche Bericht von Ruth Huguenin ist nun da…

1. Etappe Dienstag 19. Mai Genève – Seyssel
Bei schönem Wetter reisten wir mit dem Zug von Liestal nach Genève, wo unsere Biketour begann. In Genève liess sich keine Sonne blicken, was unserer guten Laune nichts anhaben konnte. Käthi führte uns souverän durch die verkehrsreiche, pulsierende Stadt, zum Einstieg unserer Route ViaRhôna. Das Abenteuer konnte beginnen, zuerst noch ein Blick erhaschen, von der Arve die sich mit der Rhone vereint. Weiter mit einem Aufstieg in den Tierpark mit einem Halt für eine kleine Verpflegung und dem obligaten Espresso. Einen steilen Abstieg zum Pont de la Junction mit einem herrlichen Blick von oben über die Rhone und die Arve. Weiter gings durch ein verkehrsreiches Industriequartier und anschliessend ins Naturschutzgebiet Bois des Mouilles mit dem fotogenen Teich voller Musik der Tiere. Wunderschöne Singeltrails, mehr oder weniger der Rhone entlang. Nach der Überquerung der Rhone gings weiter auf unbefestigten Wegen einen steilen Rebberg hinauf nach Russin und La Plaine. Es gab eine Besonderheit, nämlich die Überquerung des Eisenbahnviadukt Viaduc de l’Allondon, leider im Renovationskleid. Bei Chancy mitten im Waldstück auf den Weg nach Valleiry fanden wir den westlichsten Grenzstein der Schweiz, point le plus occidental de la Suisse. Auf dem tollen Grenzsingletrail und einem steilen Anstieg passierten wir die Grenze, markiert durch einen schönen Grenzstein, der Schweiz und dem Departement de Haute-Savoie in Frankreich. In Valleiry angekommen gings weiter mit dem Zug nach Seyssel. Leider verpassten wir auszusteigen, da wir in den Pampas keinen Bahnhof sahen. Die nächste Station war Culoz. Wir hatten Pech, denn der nächste Zug fuhr erst zwei Stunden später. So erreichten wir unser Hotel erst um 22.00 Uhr, wo wir von der Besitzerin sehnlichst erwartet und herzlich empfangen wurden.
2. Etappe Mittwoch 20.Mai. Seyssel – Champagneux
Bei schönem Wetter wurden noch Föteli von Seyssel gemacht. Die Ortschaft besteht aus zwei Teilen, die durch eine Brücke verbunden sind. Im Jahr 1760 wurde das Städtchen geteilt, ein Teil ging an Frankreich, einer an Savoyen. Heute gehört der östliche Teil zum Département Haute-Savoie und der westliche Département Ain. Die Sicht und Weite ist traumhaft schön. Auf der rechten Seite der Rhone der Ausläufer des französischen Juras und in der Ferne der Grand Colombier und auf der linken Seite die Savoyer Alpen. Dem rechten Rhoneufer entlang gings nach Culoz, wo wir die Brücke Pont de la Loi traversierten. Wir durchfuhren ein Naturschutzgebiet wo schon zaghaft der Ginster anfing zu blühen und erreichten dann Chanaz. Am Canal de Savière machten wir eine Mittagspause. Dann ging’s mal links, mal rechts der Rhone entlang nach Belley. Bei Virignin führt eine Fuss- und Radwegbrücke über die Rhone, weiter nach la Balme und Champaneux. Schon von weitem sahen wir das Hotel Bergeronnettes doch waren noch fast 100 hm zu überwinden. Ein feines Nachtessen haben wir redlich verdient.
3. Etappe Donnerstag 21. Mai Champangneux – Balme les Grottes
Bevor wir wieder auf unsere Bikes stiegen genossen wir noch einen letzten Blick über das Rhonetal. Wir genossen eine erfrischende, schöne Abfahrt durch die Rhoneebene, dann ging es über einige Brücken nach Brégnier-Cordon zu den Wasserfällen nach Clandieu. Leider waren sie nicht zugänglich, wegen Bauarbeiten. Wir konnten erahnen wie das Wasser des Flüsschen Gland aus 60 hm in die Tiefe stürzt, und Fotos waren nur beschränkt machbar. Auch die geplante Weiterfahrt mussten wir über die Hauptstrasse radeln und es war schon recht heiss. Dafür hatten wir anschliessend eine schöne Route, alles der Rhone entlang, mal durch Alleen, Wälder oder auch offenes Gebiet, mit Blick ans andere Ufer mit dem imposanten Chateau de Montferrand. In Lagnieu gings weiter zu unserem Tagesziel La Balme-les-Grottes. Die Grottes de la Balme sind ein magischer Ort. In der Höhle gibt es Stalagmiten, Stalaktiten, kleine Wasserbecken, ein Labyrinth und einen unterirdischen See. Die Grotte wird von 23 Fledermausarten bewohnt. Im Ort selber gab es noch ein Lavoir (Waschhaus) welches im Jahr 1880 an einem kleinen Bach erbaut wurde. Leider fanden wir unser Hotel nicht, trotz intensiver Suche durch einen kompetenten Einheimischen und zu guter Letzt war die einzige Gelegenheit zum Essen im Le Marché Balmolan nicht geöffnet. Schlussendlich fanden wir eine tolle Unterkunft bei einer Madame, die uns herzlich aufnahm und uns auch bewirtete. Geschlafen haben wir wie die Murmeli.
4. Etappe Freitag 22. Mai Balme les Grottes – Villette d’ Anthon
Der Morgen fing nicht gut an. Nach langer Diskussion musste Rosmarie das Forfait geben. Bevor Käthi und ich uns alleine auf die Weiterfahrt machten verwöhnten wir uns noch mit feinen Spezialitäten der Region im Le Marché Balmolan. Verspätet machten wir uns auf die Weiterfahrt nach Villette d’ Anthon, welche sehr hügelig war. Die Site archéologique de Larina, ein Hochplateau auf einem Kalksteinfelsen, mehr als 200 Meter oberhalb der Rhone, war schon in prähistorischen Zeiten und bis ins Mittelalter besiedelt. Leider konnten wir aus Zeitgründen die Ausgrabungsstätte nicht mehr besuchen. So strampelten wir weiter und erhaschten noch einen Blick auf den Fluss l’Ain, ein Zufluss der Rhone. Schon bald waren wir am Ziel angelangt, wo wir herzlich empfangen wurden. Mit einem feinen Nachtessen beschlossen wir den aufregenden Tag.
5. Etappe Samstag 23. Mai Villette d’Anthon – Lyon
Nach einer ruhigen Nacht und einem reichhaltigen Frühstück, machten wir uns schon recht früh bei angenehmer Temperatur auf den Weg. Wir hatten zwei Möglichkeiten Route A oder B. Nach einer rasanten Abfahrt waren wir schnell an der Rhone und wir freuten uns auf den Singletrail. Aber wir hatten Pech, was auf der Karte wie ein Übergang aussah war in Wirklichkeit ein Erdwall. So mussten wir die Strecke wieder zurückradeln und den Berg hoch zur ViaRhona Route. Über offene Felder und an Pferdegestüten vorbei, zur Rhone runter wo wir mit einer grandiosen Aussicht belohnt wurden. Am schattigen Rhoneufer entlang war alles zu haben, der Gesang der Vögel und das intensive Gequake der Frösche, Jogger, Spaziergänger oder Velofahrer für alle hatte es Platz. Der Grand Parc Miribel-Jonage war riesig und das vor der drittgrössten Stadt Frankreichs, neben Paris und Marseille. 1,2 Millionen Menschen leben in Lyon. Lyon, die geschichtsträchtige französischen Rhône-Alpes-Region, liegt am Zusammenfluss von Rhône und Saône. Souverän führte Käthi mich durch die Allee im Parc de la Tête d’Or, zwischen Autobahn und Kanal und Gewerbegebiet, wieder der Rhone entlang. Wir mussten die Brücken zählen. Nach der fünften konnten wir die Rampe hochfahren und schon bald waren wir im Hotel. Eine schnelle Dusche und dann gings auf Entdeckungstour. Mit der Metro zur Haltestation Hénon zur Besichtigung der Mur Des Canuts, 1987 von der Cité Création geschaffen, ist das Wandgemälde eine lebendige Leinwand. Dieses beeindruckende Wandgemälde, eines der Grössten Europas, ist ein Meisterwerk des Hyperrealismus (Kunstrichtung in Malerei, Skulptur und Fotografie), das den Geist der Seidenweber und deren lebendige Gemeinschaft einfängt. Tief beeindruckt verliessen wir das Quartier. Weiter gings mit der Metro ins Vieux-Lyon. Fourvière ist der Hügel, auf dem die Römer erstmals die Stadt Lyon gründeten, der damalige Name war Lugdunum. Von der Basilika de Fourvière hat man einen tollen Ausblick auf die Stadt und das Amphitheater und römische Ausgrabungen. Nach dem Nachtessen gings zurück ins Hotel, müde von den vielen Eindrücken.
6. Etappe Sonntag 24. Mai. Lyon mit dem Zug nach Valance, Valance – Le Pouzin
Morgens durch eine menschenleere und kühle Stadt zu fahren war ein Genuss. Pünktlich fuhr der Zug nach Valance. Sie ist die Hauptstadt des französischen Departement Drôme. Die Stadt gilt als nördliches Tor der Provence. Wir wurden durch freundliches Bahnpersonal empfangen, welche uns die Bikes die Treppe hochtrugen und waren erstaunt, dass wir ohne Motor unterwegs waren. Chapeau et Une Bonne Route! Vom Bahnhof in Valance hatten wir einen tollen Ausblick zum Musikpavillon. Weiter gings mit dem Bike. Welche Überraschung, unter uns lag der Parc Jouvet, inmitten der Stadt gelegen und seit 1942 ein Naturdenkmal mit über 700 Bäumen seltener Arten. Wir genossen die Fahrt durch den schönen Parc. Schon bald fuhren wir der Rhone entlang, Richtung Soyons. Von weitem sahen wir den Tour Penchėe (Schiefer Turm) aus dem 12.-13.Jh. stammend und das einzige Überbleibsel der mittelalterlichen Befestigung. Es war ein steiler Aufstieg, zuerst mit dem Bike und dann zu Fuss, doch es hat sich gelohnt. Wir hatten eine prächtige Aussicht übers Rhonetal und das Vercors-Massiv. Nach einer tollen Abfahrt gings weiter nach Charmes-sur-Rhône, La Voulte-sur-Rhône zum Departement Ardèche gehörend. Nach einem Halt für ein Cola und Espresso gings über die imposante Brücke und dann noch ca.10 km zu unserem Tagesziel, Le Pouzin
7. Etappe Montag 25. Mai Le Pouzin – Montélimar
Uns wurde bewusst, dass wir schon weit im Süden waren, das Licht wird immer heller, die Luft heisser und trockener, doch es wehte immer ein wenig der Mistral, was sehr angenehm war. Frühzeitig fuhren wir los und mit dem befestigen des Gepäcks waren wir Profis. Nächster Halt war Baix. Schon seit der Römerzeit hatte Baix eine strategische Bedeutung, die dem Ort eine gewisse Unabhängigkeit gab. Eine Besonderheit ist auch der Uhrturm, denn einst war das Anbringen einer Uhr nur an Kirchtürmen gestattet. Ein eigener Uhrturm zeugt von der Unabhängigkeit und den Privilegien der Einwohner. Wir fuhren weiter und sahen bald die Dampffahne des Kernkraftwerkes Curas. Auch Solarzellen und Windräder waren auf dem Areal zu sehen. Weiter gings nach Rochemaure. Der Name stammt aus dem lateinischen und bedeutet schwarzer Felsen auf dem sich die Burg erhebt. Rochemaure hat einen historischen und sehenswürdigen Ortskern. Im Departement Ardèche gibt es eine spezielle Auszeichnung für besonders schmucke, sehenswerte Ortschaften, die als Village de caractère tituliert wird. Rochemaure gehört dazu mit seinem besonderen Charme aus altem Gemäuer und schmalen Gässchen. Wir waren richtig begeistert, auch hatten wir einen tollen Blick aufs Rhonetal. Unsere Route führt uns über die Passerelle Himalayenne-le Vieux Pont. Die alte Rhonebrücke von Rochemaure gehört zu den 100 schönsten Brücken Frankreichs und stammt von Marc Seguin. Wir werden noch über weitere gehen. Sie wurde 1858 erbaut und blieb bis 1968 in Betrieb. Nach Restaurierung 2013 ist sie als Fussgängerbrücke wieder ein wichtiger Übergang zwischen den Bezirken Drôme und Ardèche. Nach paar km hatten wir unser Tagesziel Montélimar erreicht. Auf dem Weg dorthin trafen wir noch eine Herde Schafe und Ziegen. Wir beschlossen ins Zentrum zu fahren. Da Pfingstmontag war gabs nichts zum Lädele, ich wollte so gerne das Nougat, eine Spezialität, die hier seit dem17. Jh. produziert wird. Ein feines Nachtessen beendet den schönen Tag. Sogar unsere Bikes durften im Restaurant übernachten.
8. Etappe Dienstag 27.Mai Montélimar – Pont St.Esprit
Früh gings wieder die gleiche Strecke zurück. Die Schafe und Ziegen befanden sich fast an gleicher Stelle. Wir überquerten die Rhone und fuhren weiter dem rechten Ufer entlang mit einem tollen Blick auf das gegenüberliegende historische Städtchen Châteauneuf-du-Rhone. Auf dem Radweg gings wieder über die Rhone um dem hübschen Viviers einen Besuch abzustatten, wo wir einige schöne Sujet vor die Linse bekamen. Auf dem Radweg gings durch schöne Wälder nach Bourg-Saint-Andéol mit einer Mittagspause auf dem schattigen Gemeindeplatz, mit anschliessender Glace und Espresso. Heiss und trocken war es, als wir Richtung Pont-Sait-Esprit fuhren, doch das Lüftchen welches uns begleitet machte es etwas angenehmer. Pont du Saint Esprit gilt als das bedeutendste Bauwerk der Stadt. Erbaut zwischen 1265 und 1309 mit einer Länge von 919 Meter und es wird von 26 Brückenbögen getragen. Es war sehr eng über die Brücke zu fahren, so entschlossen wir uns zu Fuss zu gehen. Wir waren froh, dass wir unser Etappenziel und Hotel erreicht hatten. Im idyllischen Garten genossen wir das Abendessen.
9. Etappe Mittwoch 27. Mai Pont St. Esprit – Orange
Um auf die Via Rhôna zu kommen, mussten wir wieder über die Brücke gehen. Beim Morgenlicht machten wir dort noch einige Fotos. Schon früh war es heiss und, wir waren froh, dass wir durch ein schattiges Gebiet fahren konnten. Weiter gings dem Canal de Donzère – Mondragon entlang bis zur l’lle des Rats auf einer Schotterpiste für Lastwagen, welche Gestein von der Rhone abtransportierten und erst noch auf einem Privatareal. Wir entschieden uns weiterzufahren und hatten Glück, dass der Ausgang nicht durch ein Eisentor zugesperrt war, sondern mit Steinblöcken. Ein grosses Aufatmen und kurz darauf waren wir auf der Route nach Orange. Gegen Mittag fuhren wir stolz durch den Arc de Triomphe d’Orange, oder auch Augustusbogen. Seit 1981 ist das römische Monument zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt worden.. Die Altstadt von Orange besticht durch charmante, enge Gassen, pastellfarbene Fassaden, also typisch provenzalisch. Wir liessen uns bei einem schönen Bistro nieder bestellten eine Glace und den obligaten Espresso. Eine Altstadtbesichtigung ist angesagt und dann war es Zeit unsere Zimmer zu beziehen. Das Nachtessen nahmen wir in der Grotte d’Auguste ein, wo Käthi und Kurt auch schon getafelt haben…war mega fein gsi. Wir beendeten diesen langen heissen Tag mit einem Abendspaziergang.
10. Etappe Donnerstag 28. Mai Orange – Avignon
Nach einem feinen Frühstück im idyllisch schönen, schattigen Innenhof, ging unsere Biketour weiter nach Avignon. Zuerst gings den Hügel Saint-Eutrope gute 100 hm steil bergauf. Er gilt als die grüne Lunge der Stadt und ist nach dem Heiligen Eutropius, einem Bischof aus dem 5.Jh und Wohltäter der Stadt, benannt. Wir hatten eine schöne Aussicht auf den Mont Ventoux, der auch als der Riese der Provence bezeichnet wird. Der Hügel ist stark von der Geschichte des Fürstentums und seiner Fürsten geprägt, insbesondere von denen des Hauses Nassau – Oranien. Die Nassauer hatten den Namen in die ganze Welt hinausgetragen. Die Geschichte von Orange ist daher eng mit der Geschichte der Niederlande verknüpft und wird noch heute von der königlichen Familie weitergeführt. Für uns gings weiter durch die schöne Weingegend mit Zypressen am Wegrand und einem Weingut oder Château nach dem anderen. Es ist auch weltweit für seine grossen, sonnenverwöhnten Kieselsteine (galets roulé) bekannt. Diese runden Steine speichern tagsüber die Hitze und geben sie nachts an die Rebstöcke ab. Weiter gings über abenteuerliche, sehr hügelige Wege Richtung Châteauneuf-du-Pape. Der klingende Name hat schon früh Berühmtheit erlangt, Angangs 14.Jh, wurde es doch das Sommerschloss des späteren Papst Johannes XXII von Avignon. Im 2. Weltkrieg wurde es von den Deutschen besetzt und bei deren Abzug im August 1944 zerstört. Lediglich eine Wand des Wehrturms im Süden und der Keller blieben intakt. Auf dem Gipfel des Hügels, am Fusse des alten Schlosses konnten wir ein herrliches Panorama geniessen mit Sicht auf die Rhoneebene. Durch eine mühselige, heisse und trockene Fahrt gelangten wir via Sorgues nach Avignon, die Stadt der Päpste. Nach der Wahl 1305 weigerte sich Papst Clemens nach Rom zu übersiedeln und liess sich nach einer Irrfahrt in Avignon nieder. Die ehemalige römische Kolonie diente 70 Jahre lang als Exilstadt. Das historische Zentrum wurde im Jahr 1995 auf die UNESCO -Weltkultur Liste gesetzt. Mit dem Bike konnte man schnell der Stadtmauer entlangfahren und bekam eine Ahnung von der Grösse der Stadt der Päpste. Natürlich ist es ein Muss die Pont d’Avignon zu besuchen. Aber das Kinderlied… Sur le Pont d’Avignon…haben wir nicht gesungen. Fertiggestellt wurde sie Im Jahr 1185 und war die einzige Verbindung zwischen Lyon und dem Mittelmeer, mit 22 Bögen und rund 900 Meter Länge. Heute sind noch vier Bögen und eine Kapelle zu sehen. Auf dem gegenüberliegenden Ufer von Avignon mit dem charmanten Villeneuve-lėz-Avignon hatten wir unser Ziel erreicht. Fürs Nachtessen fanden wir ein sehr schönes, kleines Restaurant namens Basta Cosi, bekannt für frische mediterrane Küche. Essen und Bedienung war fabelhaft.
11. Etappe Freitag 29. Mai Avignon – Remoulin
Heute gings früh nochmals nach Avignon. Da wir gestern keine Zeit mehr hatten, die schönste Allee in Avignon, Rue des Teinturiers, eine malerische Klopfsteinpflasterstrasse, zu besuchen, wurde das heute nachgeholt. Hier bezeugen noch heute vier Wasserräder den Boom der Textilindustrie zwischen dem 14. und 19.Jh, die sich hier am kleinen Flussarm Sorgue ansiedelte. Nochmals über die Brücke ging unsere Biketour an schönen Wegen und blühenden gelben Kakteen entlang. Auch der Ginster war anzutreffen, welcher einen sehr intensiven Duft abgab. Alles der Rhone entlang erreichten wir Aramon, ein hübsches Städtchen mit viel südlichem Charme. Weiter gings durch Weinbaugebiete und schon von weitem sah man auf dem Hügel das Dörfchen Théziers. Mit einem steilen Aufstieg gelangten wir ins Zentrum und fanden bei der Kirche ein schattiges Plätzchen für unser Pick-nick. Gegenüber der Kirche gabs ein Bistro, wo wir Cola und einen Espresso tranken. Weiter gings durch steile Gassen hinunter, durch Feld und Wiesen nach Fournès. Entlang der Rebstöcke und auch durch die Rebfelder auf holprigen, steinigen Wegen, (galets roulés) näherten wir uns wieder der Zivilisation. Da kam der Verkaufsstand mit frisch gepflückten Kirschen und Aprikosen gerade recht und wir kauften von beiden. In Remoulins ,unserem Unterkunftsort, hat das einzige Hotel im Ort, Konkurs gemacht. So machten wir uns auf den Weg Richtung Pont du Gard, mit der Hoffnung doch noch etwas zu finden. In einer grösseren Hotelanlage fanden wir noch ein kleines Zimmer, für eine Nacht wars in Ordnung. Das Gepäck im Hotelzimmer deponiert, machten wir uns auf den Weg um den Pont du Gard ,ein über 2000 Jahre altes, monumentales römisches Aquädukt, zu besuchen. Mit einer Höhe von fast 49 m und drei Etagen ist es die höchste antike Brücke der Welt und ein UNESCO-Weltkulturerbe. Sie war einst das Herzstück einer 50 km langen Wasserleitung. Wir waren beeindruckt von der Grösse und der Baukunst der Römer von damals. Wieder ein Tag mit vielen Eindrücken ging zu Ende. In einem typischen provançalen Herrenhaus mit einem wunderschönen Park genossen wir zum Abschluss des Tages ein sehr feines Abendessen mit bester Ambiente.
12. Etappe Samstag 30.Mai Remoulin – Arles
Schon früh waren wir unterwegs, noch war es angenehm, doch später wurde es heiss. Wir radelten dem schönen Fluss ,le Gardon, entlang nach Montfrin. Von Montfrin bis nach Beaucaire fuhren auf einem ehemaligen Bahntrasse und unverhofft waren wir im Bahntunnel. Es war toll ihn zu befahren mit den farbigen Lichtern und angenehmer Kühle. Wieder am Tageslicht waren wir von Felsen umgeben. Schon von weitem sahen wir die Festung von Beaucaire. Gegründet wurde die Siedlung schon im 7.Jh v. Chr. Mitte des 19.Jh wurde sie eine Eisenbahn erschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt war Beaucaire ein zentraler Handelsplatz für grosse Teile Südeuropas. Aufgrund der strategischen Lage nahe der Mündung der Rhone und entlang der Handelswege zwischen Italien und Spanien entwickelte sich Beaucaire zu einem der wichtigsten Handelsplätze. Dementsprechend reich waren die Bewohner, was sich in der prunkvollen Architektur der Stadt widerspiegelt. Noch heute sieht man die prunkvollen Palais. Wir machten eine kleine Rast mit einem Cola und Espresso und fuhren durch die Altstadt, dann weiter am Canal du Rhone entlang Richtung Bellegarde, eine nie endende Radstrecke, voll der Sonne ausgesetzt nach Fourques. Wir überquerten die Petit Rhone, die nach Sète fliesst. Für uns gings weiter Richtung Arles über die Rhone in einem Tunnel für Fahrräder. Über uns war die Eisen-und die Autobahn. Ich hätte den Weg nie gefunden, der Einstieg war verwirrend. Käthi hat uns souverän durch den Dschungel geführt, keinem Menschen waren wir begegnet. Unser Ziel war das Musée départemental Arles Antique, wo wir einen kühlen und geschichtsträchtigen Nachmittag verbrachten. Draussen waren die Temperaturen sehr hoch. Am späteren Nachmittag machten wir uns auf den Weg zum Hotel in der Altstadt. Wir flanierten durch die Gegend und schauten wo es was Gutes zum Essen gibt, wir hatten Hunger. Überraschend trafen wir die Amerikaner aus Oregon wieder, welchen wir schon im Hotel in Le Pouzin getroffen hatten. Es gab einen regen Austausch. Das Ehepaar wird morgen Sonntag Richtung Nizza aufbrechen, mit einem Poschtivelo !!!!!! Nach dem Essen gings noch auf Besichtigungstour. Arles war einst eine Provinzhauptstadt des Römischen Reiches und ist auch bekannt wegen der vielfältigen Überreste aus dieser Zeit, darunter das Amphitheater von Arles, in dem heute Theateraufführungen, Konzerte und Stierkämpfe stattfinden. Mit der beginnenden Abenddämmerung, bummelten wir durch die lebendige Stadt mit absolut sehenswerten Monumentalbauten und fotografierte so einiges.
13. Etappe Sonntag 31. Mai Arles – Salin-de-Giraud
Schon früh auf den Bikes waren wir erstaunt, dass die Stadt schon so sauber, bereit für die Besucher, geputzt war. Aber nach so viel Kultur und Stadtleben verspricht der Weg durch die unendlichen Weiten der Camargue ein erholsames Erlebnis. Ein spezieller Halt galt der Besuch der berühmten Van-Gogh-Brücke. Es gab einst elf dieser Brücken entlang des Canal d’Arles à Bouc. Nur eine dieser Brücken hat die Bombardements des Zweiten Weltkriegs überstanden. Noch ein paar Fotos und die Reise ging weiter durch einen bemerkenswerten Landstrich. Also Flamingos haben wir nicht gesehen aber weisse Pferde schon. Der Radweg war unendlich, fast keine Schattenspendende Bäume gab es, dazu eine extrem trockene Luft und wir hörten nochmals den Kuckuck rufen. Der Landstrich der Küstenregion der Camargue ist von Überschwemmungsgebieten und Salzwiesen geprägt. Wir machten einen Halt in Mas Thibert für einen Espresso, trotz des französischen Muttertags und grossem Andrang wurden wir herzlich willkommen geheissen. Weiter gings durch den Parc Naturel Régional gesäumt von den vielen Reisfeldern. Begleitet von einer Brise Meeresduft gings weiter südwärts. In der Ferne sahen wir die Windräder, 21 an der Zahl. alle liefen synchron. Einmal dort, wussten wir, dass es nicht mehr weit war bis zur Fähre, welche für Fussgänger, Radfahrer und Pferde kostenlos war. Nach der kurzen Ueberfahrt hatten wir unser Tagesziel, Salin-de-Giraud, schon bald erreicht. Wir bezogen unser Zimmer für zwei Nächte, Dusche und WC auf der Etage. Wir beschlossen vor dem Nachtessen zum Aussichtspunkt auf die Salzgärten von Giraud zu fahren. Ein einmaliger Ausblick auf die Salzgärten, die eine Fläche von 6’000 Hektaren bedecken und auf denen um die 340’000 Tonnen Salz pro Jahr produziert wird. Zurück im Hotel, freuten wir uns auf ein regionales Nachtessen im Hotel.
14. Etappe Montag 1. Juni Plage Napoléon
Nach dem Frühstück gings es mit dem Bike wieder mit der Fähre über die Rhone auf die andere Seite. Auf dem Radweg Richtung Port-Saint-Louis-du-Rhône mit einem Halt für einen Espresso. Wir fuhren weiter, bis wir in der Ferne einen Silbersteifen glitzern sahen, das Meer! Mit immer schnellerem Tempo und dann war es soweit. Wir haben es geschafft, das Ziel erreicht, ohne Panne und Unfall. Wir waren Stolz auf uns, was wir geleistet haben, wir konnten es kaum glauben. Jetzt noch Fotos zur Erinnerung, auch mit unseren Bikes, die uns nie im Stich liessen. Der schöne Sandstrand lässt zum Verweilen ein. Plage Napoleon 10 km lang ist dieser feinsandige Strand und er grenzt an seinem Südende direkt an die Ufer der Mündung der Rhone. Wir gingen einen Teil der Strecke mit den Rädern, aber es war zu mühsam, und wir waren enttäuscht, dass es kein Bistro gab. Ein wehmütiger Blick zurück und wir besuchten noch den Turm in Port Saint Louis du Rhone. Das Bauwerk stammt aus dem 18.Jh und diente einst als Schutz und Überwachung, als Rückzugort der Bevölkerung sowie als Leuchtturm. Heute ist eine Ornithologische Sammlung untergebracht. Auch die Aussicht von der Terrasse war beeindruckendes Erlebnis. Jetzt brauchten wir nur noch eine Stärkung für die Rückfahrt, der Wind bliess jetzt von allen Seiten. Mit einem guten Nachtessen, einen Topf mit Moules liessen wir den Tag ausklingen.
15. Etappe Dienstag 2. Juni Salin-de-Giraud-Arles-Lyon
Zum Letzten Mal mit der Fähre über die Rhone, und wieder zurück nach Arles. Der Mistral meinte es gut mit uns und wir kamen gut vorwärts. Wir blickten Immer wieder auf die Reisfelder, wo morgens die Vögel Futter suchten. Nochmals im Mas Thibert einen Espresso genehmigen und weiter gings, auf der 45 km langen Etappe. Wir radelten am Canal d’Arles à Bouc entlang wo viele Wohnschiffe, Kähne, schwimmende Unterkünfte, Hausboote zu sehen waren. Wieder einmal musste Käthi von seiner Kartenorientierung Gebrauch machen, kein Velozeichen nichts war zu sehen, aber viel Autoverkehr. Doch schlussendlich hatten wir es geschafft und den Radweg der Rhone entlang gefunden. Der Rest des Radweges an der Rhone entlang bis zum Bahnhof war ein Genuss. Um 13.50 ging der Zug nach Lyon, mit einer weiteren Übernachtung in Lyon. Nach einem Spaziergang durch die Altstadt, freuten wir uns auf ein feines Nachessen, welches uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Draussen zog ein Gewitter durch die Stadt und wir waren froh im Restaurant zu sein.
16. Etappe Mittwoch 3.Juni Lyon – Liestal
Ein letztes Mal Packen und los gings auf die letzte Entdeckungsreise an der Rhone entlang über die moderne Bahn-, Fussgänger- und Radfahrerbücke Pont Reymond Barre. Am südlichen Zipfel der Presqu’ile fliessen die Saône und in die Rhône zusammen. Hier genau am Clonfluance (Zusammenfluss) liegt das gleichnamige Musée, super Architektur. Am Quai der Saône entlang zu den Fresques des Lyonnais. Es war eine schöne Radtour an modernen Quartieren vorbei. Die Fresque des Lyonnais ist ein Fassadenkunstwerk. Die Wandmalereien auf 800m2 stellen 30 berühmte historische und zeitgenössische Persönlichkeiten aus Lyon dar. Es wurde von 1994/95 von der Cité Création geschaffen. Weiter gings zum Tunnel de la Croix Rousse durch den wir noch fahren wollten. Es ist eine Verlängerung des Pont Clémanceau bis Pont de Lattre de Tassigny. Weltweit einzigartig ist dieser Tunnel der sanften Mobilität, unterhalb des Stadtviertels Croix Rousse. Der 10m breit und 1,7 km lange Tunnel bietet genug Platz für drei Spuren: Busse, Fussgänger und Radfahrer. Leider war an diesem Tag keine Lichtprojektion, dennoch war die Fahrt durch den Tunnel mit einem tollen Blick auf die Rhone ein Erlebnis. Für uns wurde es Zeit zum Bahnhof zu fahren, wollten wir doch noch etwas Kleines essen vor Antritt der Heimreise in die Schweiz. Pünktlich um 19.49 waren wir in Liestal angekommen, mit vielen schönen Erinnerungen und Erlebnissen.
Ruth Huguenin
